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RCEP: Abkommen könnte den regionalen Handel jährlich um rund 90 Milliarden US-Dollar ankurbeln

17. November 2020 – Aus geopolitischer und symbolischer Sicht zeigt die Regionale Umfassende Wirtschaftspartnerschaft (Regional Comprehensive Economic Partnership oder RCEP) das Engagement des asiatisch-pazifischen Raums für die Fortsetzung des Multilateralismus und der Harmonisierung. Das RCEP, das die zehn ASEAN-Länder sowie Australien, China, Japan, Neuseeland und Südkorea umfasst, wird rund 30% des weltweiten BIP und der Weltbevölkerung abdecken und damit das größte Handelsabkommen dieser Art sein. Es ist das erste multilaterale Freihandelsabkommen, das China einbezieht, und veranschaulicht die Komponente des "internationalen Umlaufs" in der Dual-Circulation-Strategie des Landes (weitere Einzelheiten finden Sie hier (Englisch)). Dadurch wird China seinen Einfluss in der asiatisch-pazifischen Region vergrößern, während die USA in den letzten Jahren eine protektionistischere Handelspolitik betrieben haben.

Aus wirtschaftlicher Sicht könnte die Gesamtwirkung des RCEP moderat sein und sich über die Zeit verteilen. Während China, Japan und Südkorea mehr als andere Unterzeichnerstaaten profitieren könnten (da das RCEP nun die bilateralen Beziehungen zwischen China und Japan sowie Japan und Südkorea abdeckt, die zuvor nicht Gegenstand von Freihandelsabkommen waren), konsolidiert und aktualisiert das RCEP hauptsächlich bestehende Freihandelsabkommen zwischen der ASEAN und ihren Partnern. Tatsächlich war der durchschnittliche Zoll der ASEAN-Länder auf Importe von RCEP-Partnern bereits von 4,9% im Jahr 2005 (10,3% nicht gewichtet mit den Importanteilen der ASEAN-Länder) auf derzeit 1,8% (3,2% nicht gewichtet) gesunken.

Noch wichtiger ist, dass das RCEP nichttarifäre Hemmnisse durch die Schaffung einer gemeinsamen Herkunftssregel (RoO) abbaut, d.h. durch die Harmonisierung der Informationsanforderungen und der Standards für lokale Inhalte, damit Unternehmen in den Genuss der Präferenzbedingungen des Abkommens kommen können. Jedes regionale Freihandelsabkommen hat seine eigene RoO; das RCEP wird daher das Management der Lieferkette erleichtern, indem es ein eindeutiges Ursprungszeugnis für den Versand der gleichen Produkte zwischen den Mitgliedern verlangt. Dies würde die Transaktionskosten für den Handel mit mehreren Ländern in der weiteren Region senken und ein stabileres Umfeld für den Handel schaffen. Die Kosten der Herkunftsregeln schwanken zwischen 1,4% und 5,9% der Beträge der Exporttransaktionen. Daher schätzen wir, dass die gemeinsame Herkunftsregel die Exportkosten senken und dadurch die Warenexporte zwischen den Unterzeichnerstaaten um durchschnittlich 90 Milliarden US-Dollar jährlich steigern könnte (4 % des Warenhandels innerhalb der Zone im Jahr 2019 und 0,5 % des weltweiten Warenhandels).

Infolgedessen dürfte dieses Abkommen nicht nur eine stärkere regionale Handelsintegration fördern, sondern es könnte die Region auch für eine weitere Diversifizierung der Lieferketten für multinationale Unternehmen oder Multi-Shoring attraktiver machen. Allerdings lässt das Abkommen "sensible" Sektoren, insbesondere die Landwirtschaft, aus, und bei der Liberalisierung des Dienstleistungshandels sind die Fortschritte nur teilweise zu verzeichnen.

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