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Der Hotel-California-Effekt: Wie das europäische Gastgewerbe nach Menschen sucht, die bleiben

23. März 2021 - Die Covid-19-Pandemie kostete das europäische Beherbergungsgewerbe im Jahr 2020 115 Mrd. EUR an Umsatzeinbußen infolge strenger Einschränkungen bei Freizeit- und Geschäftsreisen. Eine stärkere Sommersaison trug dazu bei, dass der Jahresumsatz in Frankreich und Deutschland "nur" um -43% und -44% sank, verglichen mit -53%, -61% und -64% für Großbritannien, Italien und Spanien.

Zusammenfassung:

  • Die Erholung wird 2021 aufgrund eines desaströsen ersten Quartals lückenhaft und nur teilweise sein, aber die Aktivität wird sich wesentlich verbessern, da die meisten Märkte in der zweiten Jahreshälfte eine Herdenimmunität der Bevölkerung erreichen sollten. Ähnlich wie im 3. Quartal 2020 sollte die schrittweise Aufhebung der Beschränkungen sowohl für das Angebot (Wiedereröffnung von Hotels) als auch für die Nachfrage (größere Bewegungsfreiheit) eine deutliche Belebung der Nachfrage in der entscheidenden Sommersaison ermöglichen. 2021 werden die Umsätze in Europa um +28 % steigen, aber immer noch -39 % unter den Höchstständen von 2019 liegen, wobei Frankreich und Deutschland erneut die Spitzenreiter sind.
  • Eine vollständige Erholung wird deutlich länger dauern und ist bestenfalls vor 2024 zu erwarten, zumal eine deutlich geringere Auslastung auch die durchschnittlichen Zimmerpreise belasten wird. Aufgrund des unterschiedlichen Tempos der wirtschaftlichen Erholung in den einzelnen Ländern und der strukturellen Unterschiede in den lokalen Beherbergungsmärkten wird sie sich auch sehr unterschiedlich bemerkbar machen.
  • Länder, Regionen, Städte oder Hotels, die mehr auf internationale und/oder Geschäftsreisende angewiesen sind, werden hinter jenen zurückbleiben, die hauptsächlich lokale Freizeitgäste bedienen. Darüber hinaus sind Hotelunternehmen mit der höchsten Kapitalintensität, d.h. die die Immobilienschuldenlast (Schuldentilgung und Zinsen) tragen, stärker gefährdet als solche, die auf ein Asset-light-Modell umgestellt haben und sich stattdessen auf Hotel-Franchising oder Management konzentrieren. Hotels mit Asset-lastigen Geschäftsmodellen könnten in Erwägung ziehen, ihr Immobilienvermögen zu veräußern, um ihre Bilanzen zu verbessern und ihre Kostenstrukturen zu senken.
  • Während Kurzarbeits-Regelungen einer Branche, in der die Arbeitskosten den größten Einzelausgabenposten darstellen, Erleichterung verschafft haben und dies auch weiterhin tun werden, erwarten wir, dass das Tauziehen zwischen Hoteleigentümern und Hotelmanagern über Mietzahlungen und die Neuverhandlung laufender Pachtverträge weitergehen wird. Die Verschlechterung der Zahlungsbedingungen und die Aussichten für die Branche haben bereits zu erheblichen Wertberichtigungen bei Hotelimmobilien geführt.
  • Mit Blick auf die Zukunft wird die schwache Nachfrage Hotelunternehmen dazu ermutigen, neue Einnahmequellen zu erschließen, indem sie neue demografische Gruppen oder neue Bedürfnisse bedienen, wie z. B. "Digitale Nomaden", die nach Büroräumen suchen, aber es ist noch zu früh, um zu sagen, ob solche Initiativen erfolgreich sein werden.
  • Dieses herausfordernde Marktumfeld könnte zu einer stärkeren Durchdringung von Hotelketten in Europa führen, einer Region, in der unabhängige Hoteleigentümer und -manager immer noch die Mehrheit der Zimmer ausmachen. Sowohl Eigentümer als auch Manager könnten in Erwägung ziehen, die Unterstützung von Ketten mit größerer Werbe-, Marketing- und IT-Kraft zu suchen, um den wachsenden Einfluss von Online-Reisebüros und Customer-to-Customer-Ferienvermietungsplattformen abzuwehren oder zu entgehen.