Harte Landung: 2020 wird ein schreckliches Jahr für den Luftverkehr

8. Juni 2020 - Die weltweite Nachfrage im Luftverkehr wird nicht vor 2023 wieder das Niveau von vor Corona erreichen. Der beispiellose Einbruch im internationalen Reiseverkehr wird 2020 zu einem schrecklichen Jahr für die Luftverkehrsbranche machen: Wir gehen davon aus, dass die Gesamteinnahmen der Fluggesellschaften um 310 Mrd. USD auf 525 Mrd. USD einbrechen und die Rentabilität mit einem erschütternden Betriebsverlust von 60 Mrd. USD negativ wird. Obwohl die Sperren nun allmählich aufgehoben und die Grenzen wieder geöffnet werden, erwartet unser zentrales Szenario eine anhalten Krise der Branche, die weitere sechs Monate dauern und 2021 zu einer U-förmigen Erholung führen wird. Infolgedessen dürfte die Nachfrage im weltweiten Luftverkehr bis 2020 um -37% (4q/4q) zurückgehen, bevor sie 2021 und 2022 wieder um +39% bzw. +10% ansteigt.

Bis zu 30% der Beschäftigten in diesem Sektor sind von Entlassungen bedroht. Die Fluggesellschaften hatten keine andere Wahl, als dringende Maßnahmen zu ergreifen, um Geldabflüsse kurzfristig einzudämmen, einschließlich Startverbot für Flugzeuge, zeitweilige Beurlaubungen und Verschiebung der Rückerstattung von Tickets für stornierte Flüge. Trotz dieser Schritte sowie massiver staatlicher Unterstützung in Höhe von 125 Milliarden US-Dollar lassen sich zusätzliche Umstrukturierungsmaßnahmen in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 nicht vermeiden. In den USA beispielsweise kommt es nach dem 1. Oktober zu einem tiefgreifenden Stellenabbau, da die staatliche Rettungsaktion für die Luftfahrtindustrie bis September rund zwei Drittel der Gesamtarbeitskosten abdeckt. Bis zu einem Drittel der Arbeitsplätze in der Branche - etwa 750.000 Piloten, Flugbegleiter, Gepäckabfertiger, Mechaniker und andere - könnten verschwinden.

Gleichzeitig werden die Folgen der Pandemie Auswirkungen haben auf das Angebot. Die Covid-19-Krise ist ein schwerer Schlag für die privaten Billigfluglinien, die auf volle Flüge angewiesen sind. Trotz anhaltender finanzieller Erleichterungen vieler Regierungen dürften die bereits angeschlagenen Akteure im Luftverkehr, insbesondere die hochverschuldeten wie die in China, darunter leiden. Infolgedessen erwarten wir nach den jüngsten Insolvenzen der Fluggesellschaften Virgin Australia, Avianca und Latam in den nächsten zwei Jahren weitere Konkurse unter den Fluggesellschaften.