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Exportleistung in Europa: Schwimm oder geh unter!

8. September 2021 – Die europäischen Exporteure und insbesondere Frankreich haben in den letzten zwei Jahrzehnten erhebliche Marktanteile verloren, da China zum globalen Exporteur von Industriegütern aufgestiegen ist. Der bemerkenswerte Exportanstieg Chinas fiel mit dem dramatischen Rückgang der französischen Exportanteile seit 2001 zusammen (-1,7 Prozentpunkte, verglichen mit -1,3 Prozentpunkten in Deutschland und -1,1 Prozentpunkten in Italien).

Mit der Covid-19-Krise hat sich die Situation noch verschlimmert: Frankreich hat weiter an Exportmarktanteilen verloren (-0,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr), während Deutschland und Italien ihre Anteile halten konnten.

Was ist der Grund dafür? Vor allem eine schwache Wettbewerbsfähigkeit in den wichtigsten Exportbranchen, darunter Flugzeuge, Pharmazeutika, Fahrzeuge, elektrische Maschinen und Geräte. Unsere Analyse zeigt, dass sich französische und in größerem Maße auch deutsche Exporteure auf Sektoren mit weltweit dynamischem Wachstum spezialisiert haben. Aufgrund ihrer schwachen Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere gegenüber Exporteuren aus China, haben sie jedoch beim Wachstum des Exportwerts schlechter abgeschnitten als ihre globalen Konkurrenten.

So scheinen die deutschen Exporteure zwischen 2001 und 2019 vor allem in hochdynamischen Sektoren wie Maschinen und elektrischen Ausrüstungen unter einer schlechten (preislichen) Wettbewerbsfähigkeit gelitten zu haben. Allerdings war der Leistungsrückstand Deutschlands im Vergleich zu Frankreich geringer, was auf seine Spezialisierung auf schnell wachsende Märkte (insbesondere China) und seine Positionierung bei "hochwertigen" Industrieprodukten zurückzuführen ist.

Während die Exportleistung Italiens ebenfalls unter dem Aufstieg Chinas gelitten hat, hat sich seine allgemeine Wettbewerbsfähigkeit seit 2011 deutlich verbessert, was auf die nach der Staatsschuldenkrise der Eurozone durchgeführten Reformen zur Kostensenkung zurückzuführen ist. Die Exportleistung Italiens ist in hohem Maße zyklisch und korreliert stark mit der globalen Nachfragedynamik. Im Jahr 2020 wuchsen die italienischen Exporte im Fahrzeugsektor schneller als der Weltdurchschnitt, was ein Zeichen für die größere Widerstandsfähigkeit der italienischen Exporte während der Covid-19-Krise im Vergleich zu den französischen Exporten ist.

Die Wettbewerbsfähigkeit in Bezug auf Preis und Qualität erklärt etwa drei Viertel des chinesischen Exportwachstums seit 2001. Interessanterweise stellen wir bei Betrachtung aller Sektoren fest, dass die chinesischen Exporte nicht wesentlich von einer Spezialisierung auf schnell wachsende Sektoren profitieren.
Chinas starke Wettbewerbsfähigkeit in den Sektoren Maschinen und elektrische Maschinen und Ausrüstungen zeigt den entgegengesetzten Trend zur Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland, Italien und Frankreich. Die Verluste europäischer Exportmarktanteile in diesen Sektoren sind sicherlich nicht nur das Ergebnis der unschlagbaren Kostenwettbewerbsfähigkeit Chinas, sondern auch des erstaunlichen Erfolgs des Landes beim Aufstieg auf der Qualitätsleiter.

Was bedeutet das für die politischen Entscheidungsträger in Europa? Wettbewerbsfähigkeit ist ein komplexes Thema, das mehrere Dimensionen umfasst (z. B. Preis, Qualität, regionale Spezialisierung), so dass es kein Patentrezept gibt, um strukturelle Probleme schnell zu lösen. Dennoch könnten mutige und gezielte politische Maßnahmen die Exportwettbewerbsfähigkeit steigern. Dazu gehören Maßnahmen zur Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit (z.B. Steuererleichterungen oder Fortsetzung der Produktionssteuersenkungen) sowie Anstrengungen zur Beschleunigung der Reallokation von Arbeitskräften durch Strukturreformen, die die Flexibilität der Arbeitsverträge verbessern.

Darüber hinaus sind aktive und wirksame Maßnahmen zur Ausbildung von Arbeitskräften unerlässlich, um dem Fachkräftemangel in schnell wachsenden Sektoren zu begegnen. Schließlich wird die Unterstützung von Industrien mit hohem Wachstumspotenzial, aber auch die Begleitung traditioneller Industrien in der Phase des kohlenstoffarmen Übergangs entscheidend sein, um den Marktanteil der europäischen Exporteure auch in Zukunft zu erhalten.