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Europäische KMU: 7-15% sind in den nächsten vier Jahren von Insolvenz bedroht

01. September 2021 – Im Jahr 2020 konnte die staatliche Unterstützung den wirtschaftlichen Schock der Covid-19-Pandemie abmildern und die Zahl der gefährdeten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich um mehr als 8.000 verringern. Dennoch stellen wir fest, dass 7%, 13% und 15% der KMU in diesen drei Ländern in den nächsten vier Jahren weiterhin von Insolvenz bedroht sind.

In früheren Studien haben wir drei Frühindikatoren ermittelt, die helfen können, die Notlage eines Unternehmens vier Jahre vor einem Konkurs zu erkennen: Rentabilität, Kapitalisierung und Zinsdeckung. Bei Anwendung dieser Kriterien auf fast 525.000 KMU stellen wir fest, dass in Deutschland 7%, in Frankreich 13 % und im Vereinigten Königreich 15 % der KMU insgesamt gefährdet sind. Dem stehen 9%, 14% bzw. 17% im Jahr 2019 gegenüber, was bedeutet, dass die staatliche Unterstützung die Auswirkungen von Covid-19 nicht nur abfedert, sondern überkompensiert, indem direkte Subventionen (einschließlich Teilarbeitslosenregelungen) und Steuerstundungen die Wertschöpfungsverluste der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften ab 2020 vollständig ausgleichen.

Ohne staatliche Unterstützung wäre der Anteil der angeschlagenen KMU in Frankreich und im Vereinigten Königreich mit 17% bzw. 26% wesentlich höher gewesen, da die Gewinnspannen um mehr als -5 Prozentpunkte zurückgegangen wären. Interessanterweise wäre der Anteil in Deutschland trotz eines Schocks von fast -3 Prozentpunkten bei den Gewinnspannen vom Höhepunkt bis zum Tiefpunkt relativ stabil geblieben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass fragile KMU in Deutschland schlechtere Finanzindikatoren (Rentabilität, Kapitalausstattung und Zinsdeckung) aufweisen als in Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Ohne staatliche Unterstützung wäre es daher wahrscheinlicher gewesen, dass sich diese fragilen KMU in "Zombies" verwandeln und somit schneller insolvent werden.

Welche Branchen sind besonders gefährdet?
Auf welche Branchen ist ein besonderes Augenmerk zu richten? Die Automobilindustrie, der Fahrzeugbau, der Dienstleistungssektor, der Einzelhandel, das Baugewerbe und der Energiesektor scheinen am stärksten betroffen zu sein. Betrachtet man die KMU auf Branchenebene, so zeigen sich viele Unterschiede zwischen den Ländern und den Branchen in den verschiedenen Ländern.

Wenn wir unsere drei führenden Indikatoren in Deutschland für unsere gesamte Stichprobe betrachten, hatten die Automobilzulieferer, die Elektronik und der Maschinen- und Anlagenbau im Jahr 2020 bei allen drei Indikatoren schwächere Werte als im Jahr 2019. Auch in Frankreich und dem Vereinigten Königreich verschlechterten sich zwei der drei Indikatoren für die Automobilzulieferer, während sich die Hersteller als widerstandsfähiger erwiesen.

Die drei Branchen mit dem höchsten Anteil an fragilen KMU in Deutschland sind Automobilzulieferer, Fahrzeugbau und Dienstleistungen, wobei die Automobilhersteller nicht weit davon entfernt sind. Elektronik und Papier sind ebenfalls Branchen, in denen der Anteil fragiler KMU höher ist als im Landesdurchschnitt.

In Frankreich stehen die Automobilzulieferer, der Fahrzeugbau und der Energiesektor an der Spitze der Liste, was vor allem auf die Verschlechterung der Rentabilität und der Kapitalausstattung zurückzuführen ist. Aber auch in der Agrar- und Ernährungswirtschaft und im Dienstleistungssektor ist der Anteil der fragilen KMU höher als im Landesdurchschnitt. Im Vereinigten Königreich sind es vor allem die Bereiche Energie, Automobilzulieferer, Baugewerbe und Einzelhandel.