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Deutschland: Anschnallen für einen beispiellosen Konsumboom

21. Juli 2021 – In Deutschland steht ein wirtschaftlicher Aufschwung in Rekordhöhe bevor, aber es gibt auch Herausforderungen.

Anschnallen für einen beispiellosen Konsumboom in H2 2021
Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im Jahr 2020 um fast -5%, da die Covid-19-Pandemie ihren Tribut forderte. Nach einem eher enttäuschenden Start in das Jahr 2021 mit einem BIP-Rückgang von fast -2%q/q im ersten Quartal sind die wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland nun sehr vielversprechend. Angesichts des jüngsten Rückgangs der Neuinfektionen und des guten Fortschritts bei den Impfungen dürfte der Dienstleistungssektor bereits im Mai mit einer ersten Lockerung der Covid-19-Beschränkungen begonnen haben, aufzuholen. In den kommenden Monaten ist ein positiver Konjunkturrekord nach dem anderen zu erwarten, im Gegensatz zum letztjährigen Sturz in den Abgrund.

Wir erwarten einen beispiellosen Konsumaufschwung, der durch den Nachholbedarf in einem Kontext stark abnehmender wirtschaftlicher Unsicherheit angeheizt wird. Gleichzeitig dürfte der anhaltende industrielle Aufschwung - trotz anhaltender Engpässe in Form von Bauteilknappheit, die die Produktionsdynamik bremsen dürfte - einen Investitionsboom auslösen.

Insgesamt dürfte das BIP-Wachstum im Jahr 2021 bei +3,4% und im Jahr 2022 bei +3,8% liegen. Damit würde die deutsche Wirtschaft bereits im Winter 2021 wieder das Vorkrisenniveau des BIP erreichen. Allerdings sollte man sich auf einige konjunkturelle Wiederanlaufschwierigkeiten einstellen. Die abrupte Wiederbelebung der Wirtschaft dürfte zu einem akuten Arbeitskräftemangel führen, insbesondere in Branchen, die seit Monaten in einem Covid-19-induzierten Winterschlaf stecken, darunter das Beherbergungs- und Gaststättengewerbe.

Das Ungleichgewicht zwischen rasch steigender Arbeitsnachfrage und beeinträchtigtem Angebot - Covid-19 hat die Einwanderungsströme und Berufsausbildungsprogramme belastet und angesichts der schlechten Aussichten in einigen Sektoren zu einer Umorientierung der Arbeitnehmer in Sektoren mit besseren Aussichten geführt - kann durch Ausbildungsoffensiven und zumindest vorübergehend höhere Löhne reduziert werden.

Arbeitsmarkt - Kurzarbeit als Rettungsring, zumindest vorerst
Der Covid-19-bedingte Konjunktureinbruch führte zu einem noch nie dagewesenen Arbeitsmarktschock. Allein im 2. Quartal 2020 stieg die Arbeitslosigkeit um mehr als 600.000 auf den höchsten Stand seit 2013. Durch Kurzarbeit konnte jedoch ein noch stärkerer Anstieg der Arbeitslosigkeit abgewendet werden, so dass im ersten Halbjahr 2020 mehr als 20% der Arbeitsplätze erhalten werden konnten. Angesichts der beachtlichen Erholungsdynamik dürfte auch der deutsche Arbeitsmarkt auf einen festen Erholungskurs einschwenken.

Bis Ende 2021 sollte fast jeder Zweite, der im Zuge der Covid-19-Krise seinen Job verloren hat, eine neue Beschäftigung finden. Die Arbeitslosenquote wird jedoch mit 5,8% im Jahr 2021 nach 6% im Jahr 2020 auf hohem Niveau bleiben. Wir glauben, dass der Arbeitsmarkt noch nicht ganz über den Berg ist, da weitere Arbeitsplatzverluste zu erwarten sind, sobald die Unterstützungsmaßnahmen zurückgefahren werden und struktureller Gegenwind spürbar wird. In diesem Zusammenhang ist die Kombination von aktiver Arbeitsmarktpolitik (Weiterqualifizierung, Vermittlung) mit Lohnsubventionen dringend und wichtig.

Ergänzende Programme zur Subventionierung von Neueinstellungen (insbesondere für jüngere Arbeitssuchende, bei denen die Gefahr besteht, dass sie beim Übergang von der Schule in den Beruf auf Schwierigkeiten stoßen; für Arbeitnehmer, die sich für Mobilität und Umschulung entscheiden; und für diejenigen, die ein eigenes Unternehmen gründen) sollten ebenfalls verfolgt werden, um das Risiko einer verschobenen Arbeitslosigkeit zu verringern.

Öffentliche Finanzen nicht immun gegen Covid-19
2019 fällt die Schuldenquote Deutschlands erstmals seit 18 Jahren unter die 60%-Maastricht-Kriterien, nachdem sie noch 2012 bei rund 80% des BIP lag. Mit Covid-19 wurde jedoch der kontinuierliche Abwärtstrend der Staatsverschuldung beendet, der durch ein lebhaftes Wirtschaftswachstum, sinkende Schuldendienstkosten und eine relativ moderate Ausweitung der Staatsausgaben getrieben war.

Die fiskalischen Rettungsmaßnahmen in Verbindung mit dem starken Einbruch des Wirtschaftswachstums werden das öffentliche Defizit sowohl 2021 als auch 2022 deutlich über der 3%-Marke halten. Infolgedessen dürfte sich die Staatsverschuldung in Relation zum BIP bis 2022 bei etwa 70% stabilisieren, bevor ein allmählicher Abwärtstrend einsetzt.