Liquidität sichern

Immer schön flüssig bleiben: Mittelstand und Insolvenzen

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  • Achtung: Die Zombies kommen
  • Liquidität schützt vor der Pleite
  • Die Digitalisierung bedroht den Mittelstand
  • Ruinöse Attacken aus dem World Wide Web

Säumige Zahler? Liquiditätsschwierigkeiten? Insolvente Partner? Lieferengpässe? Darüber machen sich insbesondere deutsche Mittelständler kaum Gedanken. Das ist gefährlich leichtsinnig.

„O Gott!“ stieß sie plötzlich hervor und sank auf ihren Sitz zurück. Erst in diesem Augenblick ging Alles vor ihr auf, was in dem Worte „Bankerott“ verschlossen lag, Alles, was sie schon als kleines Kind dabei an Vagem und Fürchterlichem empfunden hatte … „Bankerott“ … das war etwas Grässlicheres als der Tod, das war Tumult, Zusammenbruch, Ruin, Schmach, Schande, Verzweiflung und Elend … „Er macht Bankerott!“ wiederholte sie.

Der „Bankerott“ des Bendix Grünlich, Ehemann von Tony Grünlich, geborene Buddenbrook, ist wohl einer der berühmtesten der deutschen Literatur. In dem Gesellschaftsroman von Thomas Mann hatte Grünlich – ein Pastorensohn mit Geschäftsbüchern „zum Einrahmen“ – Konsul Buddenbrook mit gefälschten Zahlen getäuscht. Grünlichs Ziel: mit den 80.000 Mark Mitgift seine Firma zu retten. Das ist bekanntlich nicht gut gegangen. Am Ende verweigerten die Buddenbrooks eine rettende Finanzspritze, Tony ließ sich scheiden.

Zugegeben: Die Mitgift hat sich als Ausweg aus Liquiditätsengpässen überlebt. Ein sorgsamer Blick auf die Geschäftspartner, mit denen man eng zusammenarbeitet, indes nicht. Eine ordentliche Bonitätsprüfung hätte nicht nur Tony Grünlich viel Kummer erspart.

Gerade der Mittelstand – und dazu zählen sage und schreibe 99,6 Prozent aller Unternehmen in Deutschland – sollte einen messerscharfen Blick auf Lieferanten, Kunden und Kompagnons werfen. Denn kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind von Krisen und Risiken oft nachhaltiger betroffen als globale Konzerne, die im Zweifel noch auf staatliche Rettung hoffen dürfen.

Achtung: Die Zombies kommen

Doch gute Zeiten machen sorglos. Noch läuft die Wirtschaft wie am Schnürchen, Geld ist wegen der niedrigen Zinsen seit Jahren billig und schnell zu haben. Eigentlich kein Grund zu meckern. Würde der Mix aus Hochkonjunktur und laxer Kreditpolitik nicht eine hoch bedrohliche Spezies hervorbringen: Zombies. So bezeichnen Insolvenzexperten all diejenigen Firmen, die schon längst pleite wären, wenn die guten Wirtschaftszeiten nicht über ihren wahren Zustand hinwegtäuschen würden.

Fehler werden spätestens dann für die Betroffenen und deren Geschäftspartner schmerzhaft offenbar, wenn sich die Wirtschaftslage trübt.
Nicht funktionierende Geschäftsmodelle, schlechtes Management, falsche Strategien, fehlende Bonität, mangelnde Kompetenz – diese Fehler werden spätestens dann für die Betroffenen und deren Geschäftspartner schmerzhaft offenbar, wenn sich die Wirtschaftslage trübt, die Zinsen steigen, die Gesellschafter nervös werden.

Insolvenzverwalter warnen davor, dass diese Firmen-Zombies bei der nächsten Konjunkturdelle reihenweise in die Knie gehen werden. Das prognostizierte Massensterben wird voraussichtlich neben den nicht lebensfähigen Unternehmen auch deren Wettbewerber treffen: Um sich kurzfristig Liquidität zu verschaffen und die Insolvenz so lange wie möglich abzuwenden, setzen Zombie-Unternehmen kurz vor ihrem Untergang häufig auf Niedrigstpreise – mit denen dann auch gesunde Unternehmen zumindest solange zu kämpfen haben, bis dem Zombie endgültig die Luft ausgeht. Gut, wer für solche Phasen vorgesorgt hat.

Liquidität schützt vor der Pleite

Liquidität ist generell das Zauberwort im Kampf gegen unvorhersehbare wirtschaftliche Schieflagen. Gerade mittelständische Unternehmen, die oft jahrzehntelang und entsprechend vertrauensvoll mit Lieferanten und Partnern zusammenarbeiten, erwischt es eiskalt, wenn eine sicher geglaubte Geschäftspartnerschaft plötzlich ins Wanken gerät. Viele sind darauf weder emotional noch finanziell vorbereitet.

Die Gründe für bedrohliche Flauten sind vielfältig: Dem Modeunternehmen Gerry Weber zum Beispiel machte das heiße Sommerwetter endgültig einen Strich durch die zu ambitionierte Kalkulation. Die familiengeführte Friseurkette Klinck führte den harten Verdrängungswettbewerb in der Friseurbranche für ihren Insolvenzantrag ins Feld – in den vergangenen 15 Jahren stieg die Zahl der Salons in Deutschland von 60.000 auf 80.000. Der Küchenhersteller Alno hatte schon jahrelang rote Zahlen geschrieben, bevor er schließlich die Segel strich. Prekär: Während der einstige Marktführer Alno einen Investor fand und befreit von Altschulden neu startete, war es für etliche langjährige Handelspartner zu spät: Viele Küchenstudios schlitterten ihrerseits in die Krise, weil Alno sie über Monate nicht belieferte. Solche Folgeinsolvenzen sind eine missliche Sache, denn im Prinzip baden die betroffenen Unternehmen die Fehler anderer aus.

In absoluten Zahlen sind kleinere Betriebe die Spitzenreiter unter den Insolvenzanmeldern.
Besorgniserregend ist der Umstand, dass mehr und mehr Mittelständler – Rückgrat, Herz und Seele der deutschen Wirtschaft – pleite gehen. Immer häufiger melden Firmen mit Umsätzen von fünf bis 25 Millionen Euro und auch solche mit einem Umsatz von bis zu 50 Millionen Euro Insolvenz an. Ebenfalls besorgniserregend: Dabei handelt es sich in der Regel nicht um Start-ups, deren Geschäftsmodell nicht funktioniert. Sondern um ältere etablierte Unternehmen – also solche, von denen es Partner und Lieferanten nicht erwarten.
Und obwohl sich das Schadenvolumen seit dem Jahr 2015 nahezu verdoppelt hat, tun deutsche Unternehmen nach wie vor zu wenig, um sich vor Zahlungsausfällen und Liquiditätsengpässen zu schützen. Das ist gefährlich leichtsinnig, denn die Zahl der Insolvenzen wird voraussichtlich wieder steigen. Und das nicht nur bei den Zombies.

Die Digitalisierung bedroht den Mittelstand

Aktuelle Studien des Instituts für Mittelstandsforschung zeigen, dass nur etwa jedes fünfte kleine und mittlere Unternehmen die aktuellen technologischen Entwicklungen beobachtet und die Auswirkungen auf das eigene Geschäftsmodell abschätzt. „Ein solches Vorgehen kann sich als gefährlich herausstellen”, warnt Institutschefin Friederike Welter im Handelsblatt-Interview; sie fordert den Mittelstand auf, die Digitalisierung aktiv anzugehen: „Viele Unternehmen beobachten zwar die Aktivitäten ihrer Mitbewerber – zu wenig jedoch noch die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bieten kann.”

Tatsächlich sind es weniger die Eventualitäten, die kleinen und mittleren Unternehmen in den kommenden Jahren besonders gefährlich werden könnten, also etwa eine sich eventuell abschwächenden Konjunktur, eventuell eskalierende Handelsauseinandersetzungen oder eventuell neue bürokratische Regularien. Das größte Geschäftsrisiko für diese so wichtige Wirtschaftskraft – für den Mittelstand – ist sehr konkret und heißt: Digitalisierung. Und damit einhergehend: neue Wettbewerber, innovative Geschäftsmodelle sowie sich verändernde Kundenerwartungen.

All das vollzieht sich in einer enormen Veränderungsgeschwindigkeit. Inhaber wie Manager müssen heute sehr schnell agieren und reagieren, sie müssen veränderungsbereit und flexibel sein. „Agilität“ lautet das neue Buzzword der Managementvordenker. Die Digitalisierung erfordert nicht nur Investitionen, sondern auch, sagen wir, Innovationsintelligenz.
Deshalb empfiehlt es sich für findige Firmen, Innovation Hubs, Think Tanks und Labs zu etablieren, in denen eigene Teams frei und flexibel an neuen Produkten und Dienstleistungen rund ums Kerngeschäft tüfteln. Frei nach dem Motto: „Disruptiere dich selbst, bevor es andere tun.“

Dass es für Unternehmenslenker hoch gefährlich ist, sich auf jahrzehntelangem Erfolg auszuruhen zeigt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes, in seinem Beitrag „Appgehängt? Ohne gute App wird’s schwer im Einzelhandel“, nachzulesen auf eulerhermes-blog.de. Demzufolge hatten im Jahr 2018 von 13 Großinsolvenzen im Einzelhandel in den USA sieben Unternehmen den digitalen Zug verpasst und boten ihren Kunden keinen Einkauf via App. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen mobil mit ihrem Smartphone shoppen, haben sie sich somit den Weg zu Millionenumsätzen selbst versperrt. Das Beispiel zeigt: Unternehmen müssen in digitale Vertriebs- und Kommunikationskanäle investieren, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Das Internet lässt sich nicht aussitzen. Die Kunden sind ungeduldig, und im Zweifel mit einem Klick bei der Konkurrenz. Das gilt für Unternehmen jeder Größe. Und für jede Zielgruppe.

Ruinöse Attacken aus dem World Wide Web

Die Digitalisierung erfordert zudem auch und besonders von mittelständischen Unternehmen Investitionen in Prozesse, Systeme und die IT-Infrastruktur. Bei letzterer hakt es gewaltig: Der Branchenverband Bitkom bezifferte den von 2016 bis 2018 entstandenen Schaden durch cyberkriminelle Angriffe in deutschen Unternehmen auf 43 Milliarden Euro. Fast die Hälfte der mittelständischen Unternehmen sei betroffen.

Zynisch betrachtet ist das sogar ein Kompliment: Eben weil deutsche Mittelständler oft besonders innovativ und wettbewerbsfähig sind, lohnt es sich, sie auszuspähen oder ihren Betrieb lahmzulegen. Auch Hacker folgen dem Prinzip: Wo nichts ist, ist nichts zu holen. Bei den hiesigen Firmen gibt es jede Menge zu holen. Eine moderne IT mit höchstem Sicherheitsstandard ist folglich nicht „nice to have”, sondern existenziell. Lücken in der Software – von den Falschen entdeckt – können kleine und mittlere Unternehmen ruinieren. Die Zahl der bedrohlichen Angriffe auf mittelständische Unternehmen steigt rapide. In solchen Fällen kann ein gutes finanzielles Back-up die Existenz retten.

Die Digitalisierung verschleppen und verschlafen, sich auf Erfolgen ausruhen, dem Schicksal vertrauen, Trends ignorieren und sich der Augen-zu-das-wird-schon-Mentalität hingeben ist keine gute Strategie. War es übrigens schon zu Zeiten der Buddenbrooks nicht – und ist es in unserer volatilen Welt erst recht nicht. Die Devise für den deutschen Mittelstand muss lauten: Wachbleiben, aufmerksam sein, Innovationen anschieben, Geschäfte und Partner gut prüfen, sich absichern, Vorsorge treffen und immer schön flüssig bleiben!

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