Ausbruch des Coronavirus: Handelsschock von 26 Mrd. USD pro Woche

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Welche Auswirkungen hat der Coronavirus auf die Wirtschaft in China und der Welt? Die Rezession in der verarbeitenden Industrie und im Handel dürfte sich fortsetzen, mit einem Handelsschock von 26 Mrd. USD pro Woche durch die Sperren in China. Das globale Wachstum wird sich im 1. Quartal 2020 mit +2% so gerade über Wasser halten.

Erstens wird der Ausbruch des Coronavirus wahrscheinlich dazu führen, dass sich der verarbeitende Sektor im 1. Halbjahr 2020 weiterhin in einer Rezession befindet. Elektronik und Computer sind dabei am stärksten gefährdet. Mit der durch die Coronavirus-Epidemie verursachten Geschäftsunterbrechungen in China - die mehrere Sektoren der Gefahr einer Unterbrechung der Lieferkette (mehr dazu hier) und einer geringeren weltweiten Nachfrage ausgesetzt hat - könnten die überdurchschnittlich hohen Lagerbestände in Sektoren wie Textilien, Maschinen und Transportausrüstung sowie Rohstoffe weiter ansteigen. In Sektoren mit unterdurchschnittlichen langfristigen Lagerbeständen (Elektronik, Computer) stellt die Warenknappheit inzwischen ein Risiko dar. Im Jahr 2019 haben die ungewöhnlich hohen Lagerbestände der Unternehmen die Produktion im verarbeitenden Gewerbe in eine Rezession getrieben, insbesondere in den fortschrittlichen Volkswirtschaften. Da die Lagerbestände in den letzten Monaten nur teilweise abgebaut wurden, dürften die geringere weltweite Nachfrage und die höhere Unsicherheit in den kommenden Monaten zu einem Anstieg der Lagerbestände führen. Daher erwarten wir, dass sich der globale Fertigungssektor im 1. Halbjahr 2020 weiterhin in einer (flachen) Rezession befinden wird.

Zweitens könnten sich die potenziellen Verluste bei den Exporten von Waren und Dienstleistungen nach China auf 26 Mrd. USD pro Woche belaufen, da die Produktion und der Handel unterbrochen werden. Wir haben unsere Prognose für das Welthandelswachstum im Jahr 2020 um -0,5 Prozentpunkte auf +1,3% nach unten korrigiert. Hongkong, USA, Japan, Südkorea und Deutschland sind am stärksten betroffen. Der oben genannte wöchentliche Verlust entspricht einer Erhöhung des Welt-Importzolls auf Waren um +1 Prozentpunkt im Jahr 2020, also mehr als die Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen den USA und China im Jahr 2019 (0,7 Prozentpunkte).
Bei den Dienstleistungen machen die Reisekosten aus China 20 % der Gesamtkosten weltweit aus, gegenüber 11 % für die USA und etwa 30 % für Europa. Dies entspricht etwa 6 Mrd. USD pro Woche an potenziellen Verlusten für die Welt, wobei Hongkong, die USA, Japan, das Vereinigte Königreich und Südkorea am stärksten betroffen sind. Darüber hinaus könnten sich die Verluste im Zusammenhang mit Transportdienstleistungen (Importe aus China) auf bis zu 2 Mrd. USD pro Woche belaufen. Dieser akute Handelsschock dürfte eine Weile anhalten.

Schließlich dürften die makroökonomischen Auswirkungen begrenzt bleiben (-0,3 Prozentpunkte auf das globale BIP-Wachstum im 1. Quartal 2020 auf +2%), wenn die Geschäftsunterbrechung in China nicht länger als einen Monat andauert und sich die Geschäftstätigkeit nach drei Monaten wieder normalisiert. Wir glauben zwar, dass die negativen Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie nicht länger als drei Monate andauern werden, bezweifeln aber, dass die Weltwirtschaft stark genug ist, um sich davon vollständig zu erholen, da die Wachstumsbeschleunigung im 2. Halbjahr durch die von den USA ausgehende Unsicherheit begrenzt wird. Insgesamt gehen wir davon aus, dass die Rezession im verarbeitenden Gewerbe und im globalen Warenhandel bis in das erste Halbjahr hinein andauern wird. Daher haben wir unsere Prognose für das weltweite BIP-Wachstum im Jahr 2020 um -0,1 Prozentpunkte auf +2,3% revidiert, basierend auf einer revidierten Prognose für China (+5,6%, d.h. -0,3 Prozentpunkte), die Eurozone (+0,9%, d.h. -0,1 Prozentpunkte) und mehrere andere Volkswirtschaften (Hongkong, Singapur, Südkorea, Japan, Taiwan, Thailand, Australien). Wir gehen außerdem davon aus, dass die Geldpolitik sehr aktiv bleiben wird, wobei die EZB und die Fed im ersten Halbjahr 2020 mit noch größerer Wahrscheinlichkeit eine weitere Zinssenkung durchführen werden, da die "Isolation" Chinas inmitten des Coronavirus-Ausbruchs wahrscheinlich starke negative Auswirkungen auf den Handel mit Waren und Dienstleistungen haben wird.

Abbildung 1: Industrielle Produktion q/q
Coronavirus Fig1
Quellen: CPB, Allianz Research

Abbildung 2: Verhältnis Bestand zu neuen Aufträgen
Coronavirus Fig2
Quellen: Markit, Allianz Research

Abbildung 3: Mögliche wöchentliche Verluste durch reisebezogene Dienstleistungen (Mrd. USD)
Coronavirus Fig3
Quellen: ITC, Allianz Research

Abbildung 4: Potenzielle wöchentliche Verluste bei den Warenexporten, in Mrd. USD
Coronavirus Fig4
Quellen: ITC, Allianz Research

Abbildung 5: Pass-Through-Effekte des Coronavirus-Ausbruchs in China
Coronavirus Fig5
Quelle: Allianz Research

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