Euler Hermes Studie Exportrisiken: Deutschland-Holland – Fussballrivalen als Partner beim Export?

27.10.2015
 
 
  • Euler Hermes Umfrage: 75 niederländische und 150 deutsche Exportunternehmen zu deren Handelserfahrungen, Chancen, Herausforderungen und Exportrisiken befragt
  • 84% der befragten niederländischen Exporteure handeln bereits mit Deutschland, umgekehrt sind es 69% der deutschen Unternehmen – bei den Expansionsplänen setzen Niederländer stärker auf deutschen Markt als umgekehrt
  • Deutsche Exporteure setzen weiterhin auf „Wanderlust“ im Ausland, Niederländer auf europäische Heimspiele – Risiken dadurch ungleich verteilt; Deutsche leiden stärker unter verschlechterter Zahlungsmoral
  • Deutscher Bio-Lebensmittelmarkt birgt für niederländische Nachbarn großes Wachstumspotenzial; beide Länder könnten 2016 Exporte ins jeweilige Nachbarland deutlich steigern

Hamburg, 27. Oktober 2015 – Der führende Kreditversicherer Euler Hermes hat zusammen mit der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) insgesamt 225 Exportunternehmen in den Niederlanden und Deutschland zu deren Handelserfahrungen, Herausforderungen und Exportrisiken befragt. Dabei haben die Volkswirte auffällige Gemeinsamkeiten der beiden Nachbarländer festgestellt – aber auch eine Vielzahl an Unterschieden, insbesondere bei den Expansionsplänen in neue Märkte.


Rivalen im Fußball – aber Partner bei Wirtschaftsbeziehungen mit Expansionsplänen
„Deutschland und die Niederlande sind Rivalen auf dem Fußballplatz, in der Wirtschaft hegen sie dagegen eine große Sympathie füreinander“, sagte Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes für Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Ich bin dafür übrigens ein hervorragendes Beispiel als Holländer bei Euler Hermes in Deutschland. Beide Länder verbindet vieles, sowohl kulturell als auch wirtschaftlich – und natürlich auch als Gegner im Sport. Die bestehenden Handelsverbindungen sind eng und die Zusammenarbeit gut: 84% der befragten niederländischen Exportunternehmen handeln bereits mit den deutschen Nachbarn, umgekehrt sind es 69%. Zudem wollen 82% der exportorientierten holländischen Firmen Handelsbeziehungen mit Deutschland aufbauen oder diese ausweiten. Die Deutschen sind mit 20% etwas zurückhaltender, was vor allem an den unterschiedlichen Ausfuhrgütern und -strategien liegt. Die Deutschen packt auch beim Export ungebrochen die Wanderlust, während die Niederländer auf europäische Heimspiele setzen. Die Kehrseite der Medaille ist das Risiko – die Deutschen leiden dadurch wesentlich stärker unter einem verschlechterten Zahlungsverhalten als die Niederländer.“


25% der Deutschen leiden unter schlechterer Zahlungsmoral – trotz Risiken Expansion im Ausland
25% der befragten deutschen und nur 17% der niederländischen Exporteure klagen über ein verschlechtertes Zahlungsverhalten im In- wie im Ausland. Insbesondere in Schwellenländern hat sich zuletzt die Zahlungsmoral deutlich verschlechtert, allen voran China. Dort zahlen Unternehmen im Schnitt zwei Tage später als noch vor einem Jahr. Zudem sind Zahlungsausfälle stark angestiegen und Euler Hermes erwartet einen Anstieg der Insolvenzfälle auf bis zu 25% in 2015 und weiteren 20% in 2016.


Trotz der steigenden Risiken wollen laut Euler Hermes Umfrage 70% der befragten deutschen Unternehmen in den kommenden drei Jahren neue Märkte erschließen und dadurch im Ausland expandieren. Bei den Niederländern plant hingegen nur knapp die Hälfte (48%) den Schritt in neue Sphären, weitere 30% setzen ihren Fokus auf Kundentreue und Erhalt des bestehenden Kundenstamms. Der Unterschied erklärt sich durch den starken Fokus der Niederlande auf intermediäre Handelsgüter, die für europäische Märkte bestimmt sind. Diese machen bei niederländischen Unternehmen ein Drittel aus, bei den deutschen Firmen nur 19%.


Wo exportieren sie denn? Niederländer zieht es nach Deutschland, die Deutschen in die Welt
„Die Diversifizierung stand bei der Exportstrategie der Deutschen schon immer im Mittelpunkt“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. „So ist es kaum verwunderlich, dass ein Drittel der befragten deutschen Exporteure in Europa, ein Drittel in China und ein Drittel in den USA expandieren will. Bei den Holländern liegt das Gute so nah, dass sie weniger in die Ferne schweifen wollen. Der heute bereits wichtigste Handelspartner Deutschland wird bei niederländischen mit 82% am häufigsten genannt, wenn es um den Ausbau der Geschäftsaktivitäten geht, gefolgt von weiteren europäischen Märkten wie Belgien, Frankreich und Großbritannien – das deckt sich weitestgehend mit den derzeitigen Aktivitäten.“


Deutsche Exporte in die Niederlande: 2016 Plus von 5,8 Mrd. erwartet, fünf Branchen profitieren
Beide Länder können nach Ansicht des führenden Kreditversicherers im kommenden Jahr ihre Exporte ins jeweilige Nachbarland erheblich steigern. Für Deutschland prognostiziert Euler Hermes einen Zuwachs bei den Exporten in die Niederlande um 5,8 Mrd. Euro – damit liegen die Niederland nach Frankreich und China auf dem Bronze-Rang bei den zusätzlichen Exporten, die der Kreditversicherer für Deutschland auf insgesamt 65 Mrd. Euro beziffert. Von dem nachbarschaftlichen Handel profitieren in Deutschland maßgeblich fünf Sektoren: Die Chemie- (21% der zusätzlichen Exporte bzw. €1,2 Mrd.) und die Lebensmittelbranche (13%/€ 0,8 Mrd.) sowie Maschinenbau, elektronische Produkte (beide jeweils 10%/€ 0,6 Mrd.) und Automobilindustrie (7%/€0,4 Mrd.).


Bei den Niederländern erwarten die Euler Hermes Volkswirte zusätzliche Exporte in Höhe von rund 4,8 Mrd. Euro im kommenden Jahr. Die Lebensmittel- (37%/€1,1 Mrd.), Chemie- (32%/€1 Mrd.) und Energie-branchen (29%/€ 0,9 Mrd.) sind hier die Gewinner.


Deutscher Bio-Lebensmittelmarkt birgt enormes Wachstumspotential für niederländische Firmen
„Eines der größten Potenzial für holländische Exporteure sehen wir zum Beispiel im deutschen Bio-Lebensmittelmarkt“, sagte Subran. „Wir erwarten, dass dieser in den kommenden Jahren auf rund 15 Mrd. Euro anwächst. Die meistgekauften Produkte in diesem Segment sind Gemüse, Fleisch und Milchprodukte (Eier) – und genau dort sind niederländische Unternehmen insgesamt gut aufgestellt. Im Biosegment sind sie allerdings mit nur einer Milliarde Euro an Exporten nach Deutschland noch unterrepräsentiert und haben dort sehr gute Wachstumsaussichten. Wir schätzen diese auf bis zu 5 Milliarden Euro an zusätzlichen Exporten in diesem Bereich bis 2020.“

 

 

 
> Eine aktuelle Länderrisikoeinschätzung zu den Niederlanden (Deutsch)

 

> Eine aktuelle Länderrisikoeinschätzung zu den Niederlanden (Englisch):

 

 

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