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Euler Hermes: Chemieunternehmen in Europa und den USA liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen

27.10.2016
 
 
 
  • Europäische und deutsche Chemieunternehmen investieren mehr im Ausland als Zuhause
  • Hiesige Chemiekonzerne stehen gut da – sind aber nicht immun gegen Nachfrageeinbruch
  • Kopf-an-Kopf: Durch gesunkene Ölpreise holen die Europäer auf und liefern sich mit US-Firmen wieder ein Rennen auf Augenhöhe
  • Schlüssel zum Erfolg für Europäer: Investitionen in Innovation und höherwertige Produkte und Lösungen sowie in weitere Spezialisierung
 
 

Hamburg, 27. Oktober 2016 – Europäische und deutsche Chemiekonzerne haben in den letzten Jahren kräftig zugekauft. Sie investieren im Ausland wesentlich mehr als Zuhause. Das Land der Begierde sind – wie in aktuellen Fällen – dabei häufig die USA. Der Grund dafür sind unter anderem die niedrigeren Rohstoff- und Energiepreise in den Vereinigten Staaten und der daraus resultierende Wettbewerbsvorteil. Konkurrenz für die Europäer kommt neben den USA auch aus Asien – trotzdem steht die Chemieindustrie hierzulande weiterhin gut da. Zu diesem Schluss kommt Weltmarktführer in der Kreditversicherung Euler Hermes in seiner aktuellen Studie zur Chemiebranche.


Gute Situation der Branche hängt vor allem an Talfahrt des primären Rohstoffs Naphtha
„Die Chemieunternehmen in Europa und in Deutschland sind weiterhin profitabel und verzeichnen 2016 trotz weiter stagnierenden Umsätzen stabile operative Gewinnmargen von rund 10%“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. „Das Branchenrisiko ist insgesamt eher gering. Allerdings beruht diese komfortable Situation vor allem auf der Talfahrt des in Europa vorrangig eingesetzten Rohstoffs Naphtha. Dieser ist seit 2013 um rund 60% gefallen. Dadurch konnten Chemieunternehmen ihre stagnierenden Umsätze kompensieren.“


Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine große Abhängigkeit von der weltweiten Nachfrage besteht.


Nicht auf Lorbeeren ausruhen: Welthandel schwächelt, Brexit-Unsicherheiten klopfen an
„Europäische und deutsche Chemieunternehmen sollten sich lieber nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen“, sagte Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Es ist definitiv praktisch und manchmal sogar entscheidend, wichtige Materialien zu wesentlich günstigeren Preisen einzukaufen. Aber sich kurzfristig darauf zu verlassen, dass die niedrigen Energiekosten die Unsicherheiten angesichts möglicher Brexit-Folgen für die Branche oder den schwachen Welthandel kompensieren, könnte sich langfristig rächen. Die trüben Welthandelsaussichten drücken auf die Wachstumsrate in der europäischen Produktion, die mit +1,3% in 2016 und 1,1% in 2017 nicht gerade rosig ist. Trotz ihrer Größe sind auch europäische Chemiekonzerne nicht immun gegen eine sinkende Nachfrage.“


Die Situation der europäischen Marktteilnehmer hängt auch vom Zustand ihrer Hauptabnehmer ab: vom Baugewerbe sowie der Automobil- und Elektronikbranche. Schwächelt ein Segment, steigt der Druck umgehend.


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USA: Tektonische Verschiebung in der Chemie durch Schiefergas-Glücksfall
Langfristig ist aber insbesondere der Wettbewerb der amerikanischen Chemieunternehmen ein Schlüsselfaktor bei Erwartungen und Risikoentwicklung.


„Die Chemieunternehmen in den USA haben weiterhin kräftigen Rückenwind“, sagte Subran. „Sie nutzen bei der Herstellung des wichtigsten Grundstoffs Ethylen nicht wie die Europäer das aus Rohöl hergestellte Naphtha, sondern Ethan, das vom Gaspreis beeinflusst ist. Die Schiefergas-Revolution ist daher für die Amerikaner ein echter Glücksfall, quasi eine tektonische Verschiebung der Chemieplatten. Gaspreise liegen dadurch nur etwa halb so hoch wie in Europa und sogar drei Mal niedriger als in Asien. Dies verschafft ihnen einen Wettbewerbsvorteil. In etwa zehn Jahren werden US-Firmen zudem von den getätigten Investitionen in Produktionsstätten profitieren. Darauf sollten sich die Europäer am besten jetzt schon einstellen.“


Aufs richtige Pferd setzen: Dank Forschung und Entwicklung wieder Kopf-an-Kopf-Rennen
Mit Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie einer weiteren Spezialisierung haben die deutschen Unternehmen in den letzten Jahren bereits aufs richtige Pferd gesetzt.


„Dass die deutsche und europäische Chemieindustrie in der Lage ist, auch in schwierigen Situationen mitzuhalten, haben die Unternehmen in der Vergangenheit bereits zur Genüge bewiesen“, sagte Van het Hof. „Die US-Unternehmen hatten viele Jahre die Nase weit vorne. Die hiesigen Marktteilnehmer haben versucht, durch erhebliche Effizienzsteigerungen wenigstens halbwegs mitzuhalten. Durch den Einbruch der Ölpreise haben sie jetzt eine dringend benötigte Atempause und haben sich zurückgekämpft in ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Um das Rennen nach Hause zu fahren, sollten sie sich ungeachtet der Rohstoffpreise weiter spezialisieren und zielgerichtet investieren – und zwar nicht in die Produktion (upstream), sondern in die nachgelagerte Verarbeitung und Dienstleistungen (downstream) mit wesentlich höherem Mehrwert. Das könnte ihnen das Alleinstellungsmerkmal bringen, das sie brauchen.“


In spezialisierten Chemiesparten machen Innovationen bereits heute den Unterschied und fallen wesentlich stärker ins Gewicht als die Rohstoffkosten. Technologisch höherwertige Produkte liefern in der Regel höhere Margen – zum Beispiel Verbraucherchemikalien, die in Hygiene- und Kosmetikprodukten verwendet werden.

 
 
> Die vollständige Euler Hermes Studie „Europe’s Chemical Sector: Low production costs and healthy profits challenged by global demand and US competition“ (Englisch)
 
 
 
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