Länderbericht Russland

Währungskrise und schwere Rezession 2015

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Allgemeine Informationen

Bruttoinlandsprodukt: USD 2.015 Mrd. (Rang 8 in der BIP-Länderliste, Weltbank 2012)
Bevölkerung: 143,53 Mio. (Rang 9 im internationalen Vergleich, Weltbank 2012)
Staatsform: Föderale Republik
Staatsoberhaupt: Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin
Nächste Wahl: Parlamentswahlen 2016

Länderbewertung C4kreis-hohes-risiko

Stärken

  • Reichtum an natürlichen Ressourcen, vor allem Öl und Gas
  • Leistungsbilanz weist zum 15. Mal in Folge Überschüsse aus (einschließlich des Krisenjahrs 2009)
  • Niedrige Staatsverschuldung
  • Komfortables Polster an Divisenreserven

Schwächen

  • Reformstillstand im strukturellen Bereich
  • Hohe Anfälligkeit für Ölpreisschocks
  • Kapitalflucht
  • Aktuelle Währungskrise; mit starken Kursschwankungen ist weiterhin zu rechnen
  • Abnahme der Vermögensqualität erhöht Durck auf den Bankensektor
  • Schwacher Rechtsstaat und ein hohes Maß an Korruption
  • Aller Corporate Governance-Bemühungen zum Trotz bleibt Korruption ein Problem
  • Die Ukraine-Krise und der damit verbundene Konflikt mit dem Westen (inkl. Saktionen und Gegensanktionen) stellen ein geopolitische Risiko dar

Wirtschaftlicher Überblick

Vierfachkrise: Politik, Vertrauen, Öleinnahmen und Währung

Der andauernde Konflikt mit der Ukraine, die Annektierung der Krim und die daraus hervorgegangenen Sanktionen werden zunehmend zur Belastungsprobe für Russland. Seit dem Frühjahr 2014 steckt das Land in einer politischen Krise. Die Märkte wenden sich ab. Das Vertrauen schwindet. Die weltweit sinkenden Ölpreise haben die wirtschaftliche Situation seit Mitte 2014 weiter zugespitzt. Die Einnahmen aus dem Export von Erdöl schrumpften. Hinzu kam der Absturz des Rubels. Die Folgen für die Konjunktur sind enorm.

Die Zeichen für 2015 stehen auf Rezession

Nach Einschätzung von RosStat stieg das reale BIP 2014 um 0,6%. Verantwortlich für den bescheidenen Zuwachs war zum einen der private Konsum. Er legte um 1,9% zu. Zum anderen waren es die Nettoexporte, die einen Impuls setzen konnten. Auch sie erhöhten sich leicht um einen Prozentpunkt. Dafür gingen die Importe um 6,8% zurück. Auch die Exporte fielen (-2%), genauso wie die Anlageinvestitionen (-2,5%). Die Warenbestände verringerten das Wachs-tum um einen Prozentpunkt. Auch wenn Daten und Details für das letzte Quartal 2014 noch nicht vorliegen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Wirtschaft Ende des Jahres in die Rezession abgerutscht ist. Dafür spricht, dass das BIP im Vergleich zum Vorjahr innerhalb der ersten drei Quartale zwar um 0,8 Prozent zulegen konnte, im direkten Quartals-Vergleich aber mehr oder weniger stagnierte. In unserem Basisszenario gehen wir bei Euler Hermes davon aus, dass das BIP 2015 um 5,5% schrumpfen wird. Der private Konsum wird aufgrund der hohen Inflationsrate und der schwachen Währung empfindlich zurückgehen. Gleichzeitig wirken sich die niedrigen Einnahmen aus dem Ölgeschäft auch auf die Staatskasse aus. Die öffentlichen Ausgaben werden reduziert. Das sowieso schon negative Investmentklima wird sich aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Aussichten für 2015 weiter verschlechtern. Auch wenn manche Bereiche vom schwächelnden Rubel profitieren mögen, werden die realen Exporte einen Dämpfer erleiden. Schuld sind auch hier die niedrigen Öleinnahmen. Einen starken Einbruch erwarten wir bei den realen Importen. Sie leiden besonders unter der schwachen Währung. Die Nettoexporte werden damit die Talfahrt des BIP zwar etwas abbremsen, richtig aufhalten können sie den Verfall aber nicht.

Währungskrise und ihre negativen Auswirkungen

Sanktionen, Kapitalflucht und vor allem die fallenden Ölpreise – der Niedergang der russischen Währung ist das Ergebnis einer Verkettung besonderer Umstände. Seit Anfang 2014 hat der Rubel gegenüber dem USD die Hälfte seines Werts verloren. Und das trotz massiver Intervention der Russischen Zentralbank am Devisenmarkt. Ein neues Rekordtief erreichte der Rubel Mitte Dezember 2014, als er gegenüber dem USD bei 73 Rubel und gegenüber dem Euro gar bei 92 Rubel notierte. Zum Jahresende erholte sich der Rubel leicht und stieg auf 60 Rubel gegenüber dem USD, beziehungsweise 72 gegenüber dem Euro. Für den Auftrieb hatte die Regierung gesorgt, indem sie die größten staatlichen Exporteure angewiesen hatte, Teile ihrer Deviseneinnahmen zu verkaufen. Auch 2015 hat sich der Rubel nicht stabilisiert. Seit Jahresbeginn unterliegt er ständigen Schwankungen. Am 6. Februar beispielsweise sackte der Rubel gegenüber dem USD ein weiteres Mal um 10% ab. Ein USD kostete damit zwischenzeitlich 67 Rubel. Die weitere Entwicklung des Rubels wird in nächster Zeit mehr von den Wirtschaftssanktionen und dem Ölpreis abhängen als von der Russi-schen Zentralbank und ihrer Zinspolitik. Wenn wir unser Basisszenario als Grundlage nehmen und davon ausgehen, dass sich die Sanktionen gegen Russland nicht wesentlich verändern werden und der durchschnittliche Preis für ein Fass der Rohölsorte Brent 60 USD beträgt, dann wird sich der Wechselkurs USD:RUB im 2. Halbjahr bei 1:65 einpendeln. Das 1. Halbjahr dagegen wird von starken Kursschwankungen geprägt sein, was den Wechselkurs zwischen USD und Rubel zweitweise auf 1:100 treiben könnte, vor allem wenn der Preis für ein Fass Rohöl längere Zeit unter 50 USD rangiert. Die drastische Abwertung des Rubels trifft Unternehmen, die beträchtliche Verbindlichkeiten in harten Devisen haben. Sie werden Schwierigkeiten bekommen, die fälligen Schulden zu refinanzieren. Zusammen mit der sich abzeichnenden Rezession erwartet Euler Hermes für 2015 damit einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um rund 30%.


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Letzte Änderung: 27.02.2015